Читать книгу Pädagogische Psychologie - Marcus Hasselhorn - Страница 54

Wie lässt sich die Verfügbarkeit von Wissen erhöhen?

Оглавление

»Übung macht den Meister«, sagt ein altes Sprichwort. Es ist Ausdruck der Binsenweisheit, dass häufiges Wiederholen zu einer zunehmend besseren Verfügbarkeit von Kenntnissen und vor allem von Fertigkeiten führt. Das wiederholte Durchgehen des kleinen Einmaleins im Mathematikunterricht der Grundschule, das wiederholte Spielen einer Etüde beim Instrumentalunterricht oder das wiederholte Aufsagen der Strophen einer Ballade basieren auf dieser Einsicht.

Die einfache Regel, dass die Menge des erworbenen Wissens linear von der für das Lernen aufgewendeten Zeit abhängig ist, hatte bereits Ebbinghaus (1885) in seinen zahlreichen Selbstversuchen herausgefunden. Aber lässt sich die Lerneffizienz der Übungszeit noch optimieren? Eine gute Möglichkeit, die Effizienz von Lernzeit zu erhöhen, besteht darin, geeignete Lernstrategien oder Mnemotechniken einzusetzen ( Kap. 2.3). Gelingt es nämlich, Informationen möglichst multipel und elaborativ zu kodieren und nach unterschiedlichen Gesichtspunkten mehrfach mit dem bereits vorhandenen Wissensnetz zu verknüpfen, dann erhöht sich nach dem Prinzip der Enkodierungsspezifität (s. o.) auch die Wahrscheinlichkeit, dieses Wissen langfristig und in unterschiedlichen Kontexten verfügbar zu haben. Mit der Qualität des Lernens steigt die Wahrscheinlichkeit des Behaltens und damit des Vermögens, das gelernte Wissen zu erinnern.

Die Effizienz der Übungszeit lässt sich aber auch auf andere Weise weiter verbessern, wie vor allem Baddeley (1998) systematisch aufgezeigt hat. Bereits dem Frühwerk von Ebbinghaus (1885) konnte er Hinweise entnehmen, dass es wirkungsvoller zu sein scheint, die Lernzeit auf verschiedene Lerngelegenheiten innerhalb eines längeren Zeitraums zu verteilen, als sie in einen einzigen Lernblock zusammenzufassen. Diese Erkenntnis ist auch als Effekt der verteilten Übung bekannt.

In den 1970er Jahren ist man der Frage nachgegangen, welche Zeitintervalle zwischen den Lernwiederholungen beim verteilten Üben besonders vorteilhaft sind. Die dabei zusammengetragenen Befunde veranlassten Landauer und Bjork (1978) dazu, eine entsprechende Empfehlung auszusprechen. Die optimale Strategie besteht demnach darin, die erste Wiederholungsphase nach einem möglichst großen (aber nicht zu großen) Zeitintervall einzuplanen – also zu einem Zeitpunkt, wo die neu gelernten Informationseinheiten gerade noch korrekt erinnert werden können. Das Zeitintervall bis zur zweiten Wiederholungsphase kann dann nach dem gleichen Grundprinzip sogar noch etwas größer sein. Von Wiederholung zu Wiederholung werden die Zeitintervalle zwischen den Lerndurchgängen dann immer größer gewählt (Expanding Rehearsal Strategy).

Pädagogische Psychologie

Подняться наверх