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Wissenserwerb aus der Perspektive der Gestaltpsychologie

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Wissenserwerb, Lernen und Vergessen gehören eigentlich nicht zu den zentralen Themen der Gestaltpsychologie, die vor allem im Bereich der Wahrnehmung wichtige Beiträge geleistet hat. Besonders bekannt sind die gestaltpsychologischen Gesetze zur Wahrnehmungsorganisation, die besagen, dass wir Reizanordnungen ganzheitlich wahrnehmen und dass wir in Abhängigkeit vom Kontext und der Organisation von Reizen dazu tendieren, »gute« Gestalten bzw. Figuren wahrzunehmen (Wertheimer, 1923).

Die Vorstellung, dass unsere Wahrnehmung in ganzheitlicher und interpretierender Form erfolgt, ist aber nicht ohne Auswirkungen auf die Überlegungen zur Natur des Lernens geblieben. Den Gedanken nämlich, dass Lernen nicht nur durch eine kontinuierliche Bildung von Assoziationen vonstatten gehe, wie es Thorndike (1913b) postuliert hatte, sondern auch durch eine schlagartig entstehende Einsicht in sogenannte Feldstrukturen, formulierte schon Köhler (1921) aufgrund seiner berühmt gewordenen Experimente zum Problemlöseverhalten von Menschenaffen. Das Konzept des Lernens durch Einsicht oder – wie es Wertheimer (1945) in seinem Spätwerk formulierte – durch produktives Denken, bei dem das Üben und Wiederholen weniger der Konsolidierung von Gedächtnisrepräsentationen dient als vielmehr Gelegenheit bietet, neue Beziehungen oder Strukturen überhaupt erst entdecken zu können, ist ein gestaltpsychologischer Vorläufer der konstruktivistischen Auffassung von Lernen.

Pädagogische Psychologie

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