Читать книгу Pädagogische Psychologie - Marcus Hasselhorn - Страница 59

Die strukturgenetische Sichtweise von Piaget

Оглавление

Bereits einige Jahre vor dem Erscheinen von Bartletts (1932) Buch »Remembering« hat Piaget ebenfalls einen Schemabegriff verwendet. Bei seinen Versuchen, die Entwicklung der Lernfähigkeit und die Entstehung des Weltbildes beim Kinde zu erklären, führte er zunächst den Begriff des Verhaltensschemas ein, um die sensomotorischen Verhaltenskompetenzen des Kleinkindes zu beschreiben. Angeborene Reflexe – so Piaget – werden durch Wiederholung (sogenannte Kreis- bzw. Zirkulärreaktionen) zu schematischen Mittel-Ziel-Repräsentationen ausgebaut (z. B. zu einem Saugschema: »Wenn ich Hunger habe, muss ich an etwas saugen, um satt zu werden«). Später führte Piaget den Begriff der Operationen ein, um deutlich zu machen, dass mit zunehmendem Lebensalter des Kindes Schemata mehr sind als bloße Verhaltensmuster. Operationen sind gedankliche Probehandlungen, die den Schemabegriff auf der Ebene des inneren Handelns fortsetzen.

In seinen Arbeiten über das kindliche Weltbild hat Piaget dargelegt, dass von Anfang an Schemata die Erkenntnisinstrumente des Kindes sind. Neue Informationen, die nicht in ein Schema passen, werden durch Uminterpretationen »passend gemacht« (Assimilation). Im Laufe der Entwicklung kommt es jedoch immer wieder zu größeren Diskrepanzen zwischen vorhandenen Schemata und neuen Informationen bzw. Erfahrungen, so dass die vorhandenen Schemata verändert und angepasst werden müssen (Akkommodation), um ein Gleichgewicht zwischen den sinnlichen Erfahrungen und den mentalen Repräsentationen von der Welt wiederherzustellen.

Piaget (1937) bringt den Aufbau des kindlichen Weltwissens mit dem Erlernen früher Handlungsschemata in Verbindung: In dem Maße, in dem das Kind z. B. die Fähigkeit entwickelt, versteckte Gegenstände wiederzufinden, entwickelt es sein Schema von der überdauernden Existenz von Gegenständen (Objektpermanenz); über die Erfahrung, bestimmte Ziele über bestimmte Handlungen erreichen zu können, entwickelt sich sein Begriff von Kausalität; in dem Maße, wie es im Hause oder in der Wohnung lernt, vorhandene Wege in alle möglichen Richtungen zu beschreiten, entwickelt sich eine individuelle »kognitive Landkarte« der Räumlichkeit sowie seine Raumvorstellung überhaupt. In diesem Sinne wird die Beschreibung der kognitiven Entwicklung beim Kinde zum Prototypen des Verständnisses vom Lernen als selbsttätige Konstruktion eines eigenen Weltwissens.

Pädagogische Psychologie

Подняться наверх