Читать книгу Virus - Alfred Broi - Страница 11
VII
ОглавлениеDraußen ging alles ziemlich schnell.
Kuja war gerade dabei, sich an die Dunkelheit hinter dem Wirtshaus zu gewöhnen, da spürte er auch schon, wie ihn zwei Hände am rechten Unterarm umfassten. Als er aufblickte, sah er in das lächelnde Gesicht von Marietta.
"Komm!" sagte sie und wollte ihn mit sich ziehen.
Doch Kuja hielt sie zurück und zog sie stattdessen mit einem kurzen Ruck zu sich. Marietta war sichtlich überrascht, als er seine Arme um sie schlang und sie fest an sich drückte. Einen Augenblick später küsste er sie heiß und leidenschaftlich.
Marietta ließ es einen Moment geschehen, dann wand sie sich aus seiner Umklammerung. "Nicht hier!" sagte sie mit leuchtenden Augen und einem Lächeln. "Komm!" Sie umfasste seine rechte Hand und zog ihn wieder mit sich.
Dieses Mal gab Kuja nach.
Sie rannten durch die Nacht.
Kuja erkannte, dass es aufgehört hatte zu regnen. Es lag aber noch immer Feuchtigkeit in der Luft, die jedoch nicht so kalt war, wie man hätte annehmen können.
Marietta zog ihn an einem halben Dutzend Häuser vorbei, bevor sie unvermittelt an der Hintertür eines recht großen und auch sehr gepflegten Hauses anhielt. Sie drehte sich herum, sah Kuja mit großen Augen an und küsste ihn ein weiteres Mal kurz und leidenschaftlich. Der Fürstensohn genoss es und stöhnte laut auf. Marietta zog sich zurück, lächelte, legte ihren rechten Zeigefinger auf ihren Mund und öffnete die Tür.
Das Haus im Inneren war dunkel, niemand schien anwesend zu sein.
Marietta kannte sich hier offensichtlich aus. Sie zog Kuja in das erste Zimmer auf der rechten Seite, dass augenscheinlich die Wohnstube und sehr geräumig war, dann hielt sie zielstrebig auf die rechte, der beiden Türen im hinteren Bereich zu.
Der Raum war deutlich kleiner und in seiner Mitte gab es ein großes Bett.
Marietta schloss die Tür hinter Kuja und schaltete eine kleine Lampe ein, die ein diffuses, indirektes Licht verbreitete. Dann drehte sie sich herum und hatte der Fürstensohn bisher gedacht, sie wäre eine leidenschaftliche Frau, so musste er jetzt miterleben, wie sich Marietta als heißeste, biegsamste und tabuloseste Wildkatze entpuppte, die er je genießen durfte.
Innerhalb weniger Augenblicke hatte sie sich entkleidet. Beim Anblick ihres makellosen, festen, schlanken Körpers durchzuckte Kuja die Geilheit wie ein Stromschlag. Wieder nur wenige Momente später war auch er nackt. Marietta kniete sich vor ihn und verwöhnte ihn gekonnt mit dem Mund. Fast hätte sie es zu Ende gebracht, doch Kuja zog sie zurück auf die Beine und warf sie aufs Bett. Dort räkelte sich Marietta verführerisch, dass Kuja nicht mehr an sich halten konnte. Er warf sich über sie, überschüttelte sie mit Küssen, nahm ihre Brüste in seine Hände, knetete sie und musste feststellen, dass Marietta umso mehr stöhnte, je härter er sie bearbeitete. Er nahm seinen Mund und seine Zunge hinzu und sie stöhnte tiefer und länger. Schließlich wanderte sein Mund zwischen ihre Schenkel und setzte sein erregendes Zungenspiel fort, während Marietta wollüstig aufstöhnte und ihr Körper ein ums andere Mal erzitterte.
*
"Wo ist Marietta?"
Tizian hörte diese Worte mehr beiläufig, weil er noch immer in sein Gespräch mit dem jungen Schmied vertieft war, tiefer aber noch in seine Augen. Doch sie zogen sofort all seine Aufmerksamkeit auf sich.
Er wandte seinen Kopf in Richtung Tresen und konnte einen Mann dort ausmachen, den er bisher noch nicht in diesem Raum gesehen hatte. Und das war wohl auch kein Wunder, denn er trug eine dicke Jacke, darüber eine Regenweste. Auf dem Kopf hatte er einen großen Hut, die Kapuze der Regenweste war darüber gespannt. Auf dem Rücken trug er einen großen Rucksack, an der rechten Schulter hing ein Gewehr. Als Tizian ihn sah, war er gerade dabei, ein großes Paket, eingehüllt in Ölzeug, auf den Tresen zu knallen.
Linguri stand dahinter und machte große Augen. "Was ist das?" fragte er.
"Eine Hirschkuh!" erklärte der Mann, der einen dichten, schwarzen Vollbart trug, mit tiefer, kräftiger Stimme. Tizian konnte sein Gesicht kaum erkennen, es wirkte aber dunkel, ernst und hart. "Sie hat sicherlich über hundert Pfund!"
"Oh prima!" Linguri war sichtlich erfreut und rieb sich die Hände. "Was willst du dafür haben?"
Noch etwas fiel Tizian auf: Die Hände des Mannes waren groß wie Bratpfannen und die Arme unter der Jacke wirkten muskulös. Außerdem maß er locker über zwei Meter Körpergröße. Es schien Tizian der größte Kerl zu sein, den er je gesehen hatte.
"Über den Preis unterhalten wir uns nachher!" erwiderte der Mann. "Jetzt sag mir, wo Marietta ist?"
Da waren sie wieder, diese Worte, die Tizian hatten aufhorchen lassen. Während ihm deutlich die Hitze in den Kopf stieg, konnte er in den Augenwinkeln erkennen, dass jetzt auch Giovanni, der bisher an einer rothaarigen Schönheit mit prallen Brüsten, aber offensichtlich wenig Hirn, herumgebaggert hatte, aufmerksam geworden war.
"Sie war eben noch hier!" erklärte Linguri, nachdem er sich einmal umgeblickt hatte. "Sie ist wohl mal nachhause gegangen, um nach dem Rechten zu sehen. Sie wird bestimmt gleich wiederkommen!" Er grinste breit und man sah ihm an, dass er leicht beschwipst war.
"Gut!" brummte der Hüne. "Ich gehe mich jetzt umziehen und frischmachen!"
Bei seinen Worten erhoben sich Tizian und Giovanni beinahe gleichzeitig und starrten den Riesen unverhohlen mit großen Augen an.
"Danach komme ich zurück und bringe sie wieder mit!"
"Oh verdammt!" stieß Tizian beinahe geschockt hervor und musste schwer schlucken. Gleichzeitig spürte er, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich.
"Und dann musst du mir erklären, was hier eigentlich los ist!" Ohne auf Antwort zu warten, drehte der Hüne sich um und ging zur Ausgangstür.
Tizian und Giovanni starrten ihm nach und ihre Körper waren beinahe wie gelähmt. Erst als die Tür wieder ins Schloss fiel, konnten sie sich ruckartig aus dieser Starre befreien. Zeitgleich stürmten sie nach vorn zum Tresen.
"Wer war das?" fragte Giovanni atemlos.
Der Wirt sah sie mit großen Augen überrascht an, dann lächelte er wieder. "Das war Burini, Mariettas...!"
"Bitte nicht!" stieß Tizian hervor und schloss seine Augen.
"...Ehemann!"
"Oh, Scheiße!" Dem Blonden drohten, seine Gesichtszüge zu entgleisen.
"Verflucht!" stieß Giovanni hervor, drückte sich aber sofort vom Tresen ab und rannte zur Ausgangstür. "Nun komm schon!" brüllte er, als er sie erreicht und aufgerissen hatte, als er sah, dass Tizian sich noch immer nicht bewegte.
Das rüttelte seinen Freund auf und er stürmte zu ihm.
Gemeinsam rannten sie in die Nacht hinein, als ihnen klar wurde, dass sie ja gar nicht wussten, wo sie hinmussten.
Doch sie hatten Glück, denn sie konnten die mächtige Gestalt Burinis einige Meter weiter ausmachen.
Sofort hefteten sie sich an seine Fersen.
*
Als Marietta ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte, erzitterte ihr ganzer Körper und sie schrie beinahe auf.
Mit einem breiten, zufriedenen Grinsen erhob sie sich, küsste Kuja, drehte sich mit dem Rücken zu ihm und spreizte ihre Beine.
Der Fürstensohn zögerte nicht, drang in sie ein und ging in einen harten, tiefen Rhythmus, der Marietta sehr gefiel. Kuja war überwältigt von ihrer Enge und genoss jeden Stoß zutiefst.
Marietta richtete sich vor ihm auf, spannte ihren Oberkörper aber so, dass er weiterhin agieren konnte. Sie legte ihre Arme in seinen Nacken, er umfasste ihre Brüste und schon nach wenigen Augenblicken erzitterte Marietta erneut unter ihrem nächsten Orgasmus.
Marietta ließ sich nach vorn fallen und drehte sich dann auf den Rücken. Kuja wollte sich auf sie legen, doch sie erhob sich wieder, drückte stattdessen ihn auf den Rücken und setzte sich auf ihn. Geschickt sorgte sie dafür, dass er in sie eindringen konnte, dann stützte sie ihre Hände auf seine Schultern und verfiel in einen langsamen Rhythmus.
*
Mit jedem Schritt, mit jedem Haus, an dem Burini vorbeistapfte, wurde Tizian immer nervöser.
Dann bog der Hüne nach rechts und hielt auf die Eingangstür eines ziemlich großen, gepflegten Hauses zu.
Die beiden Freunde stoppten abrupt ab und starrten für einen Moment auf den Riesen.
"Die Hintertür!" raunte Giovanni dann und zog Tizian mit sich. In einem kurzen Zwischenspurt huschten sie um die hintere Hausecke und konnten dort tatsächlich Licht in einem der hinteren Zimmer erkennen.
*
Marietta drückte sich ab und setzt sich aufrecht auf Kuja. Sie bewegte ihre Lenden auf und ab, vor und zurück, steigerte den Rhythmus. Dann ließ sie ihren Oberkörper etwas nach hinten fallen, legte ihre Hände auf seine Oberschenkel und stützte sich dort ab. Kuja sah ihren überstreckten Körper, umfasste mit seinen Händen ihre Brüste und drückte sie fest.
Deutlich konnte er spüren, dass sein Orgasmus nicht mehr fern war.
*
Burini öffnete die Haustür und trat in den Flur. "Marietta?" rief er sofort, doch nicht allzu laut, denn er konnte nirgendwo Licht sehen. Vielleicht war seine Frau doch gar nicht hier.
Er zog den Rucksack von seinem Rücken, ging in das erste Zimmer auf der linken Seite, in dem er seine Jagdausrüstung aufbewahrte und stellte ihn dort ab.
Dann ging er zurück in den Flur und während er seine Regenweste aufknöpfte, betrat er die Wohnstube.
Dort hörte er die Stimme seiner Frau. Gleichzeitig sah er Licht unter dem Türspalt zum Schlafzimmer. "Marietta?" rief er noch einmal, dieses Mal deutlich lauter.
*
Giovanni hatte die Hintertür gerade einen winzigen Spalt geöffnet, als er nur wenige Meter vor sich Burini erkennen konnte, der gerade in einen Raum zur Rechten ging.
Erschrocken schloss er die Tür wieder. Sie waren zu spät. Er konnte nur hoffen, dass Kuja nicht hier war.
Plötzlich hörte er einen leisen Pfiff seines blonden Freundes. Tizian war einige Schritte weitergelaufen und hockte jetzt unter dem Fenster, aus dem das Licht kam.
*
"Marietta?"
Mitten in das wunderbare Gefühl eines sich ankündigenden Orgasmus hinein hörte Kuja diese tiefe, männliche Stimme. Zeitgleich spürte er, wie Marietta auf ihm erstarrte.
"Was?" Er sah, dass die junge Frau ihn mit großen Augen anstarrte. Aus dem Wohnraum hinter der verschlossenen Tür konnte Kuja schwere, näherkommende Schritte hören. Sofort läuteten in ihm alle Alarmglocken. Er setzte sich auf und schob Marietta grob beiseite. "Wer ist das?" fragte er, während er aus dem Bett sprang.
"Mein...!" Mariettas Stimme war kaum mehr als ein Flüstern und klang hörbar entsetzt. "...Ehemann!"
"Was?" Kuja hatte sich gerade herabgebeugt, um seine Sachen vom Boden zu pflücken. Sein Kopf flog herum und er starrte Marietta entsetzt an. Unglücklicherweise macht er dabei einen Schritt nach vorn und stolperte über seine eigenen Füße. Mit einem erstickten Aufschrei schlug er hart zu Boden. Hektisch rappelte er sich wieder auf, als er plötzlich aus dem Nebenraum aufkommendes Weinen eines Kindes hören konnte. Erst jetzt sah er die Verbindungstür, die nur angelehnt war. "Und das?"
"Mein Sohn!" Marietta krabbelte jetzt über das Bett auf ihn zu.
Kuja starrte sie wieder entsetzt an. "Verdammtes Miststück!" zischte er.
Im selben Moment hörte er ein Klopfgeräusch. Sein Kopf wirbelte herum und er war höchst erstaunt, Tizian und Giovanni zu sehen, die direkt vor dem Fenster auf der anderen Seite des Bettes standen. Sie winkten ihn zu sich und Giovanni drückte gleichzeitig den Rahmen auf.
Das ließ sich Kuja nicht zweimal sagen. Ohne zu zögern rannte er quer über das Bett auf sie zu.
Burini stieß die Schlafzimmertür auf und rief gleichzeitig noch einmal den Namen seiner Frau. Seine Stimme war hörbar verärgert, sicherlich auch, weil das Kind im Nebenraum jetzt lauter schrie.
Als er in den Raum trat, blieb er nach einem Schritt wie angewurzelt stehen.
Was er sah, war seine Frau, die stocksteif vor dem Bett stand, gerade noch ihr halbdurchsichtiges Seidennachthemd vor den Körper ziehend, und ihn mit vor Entsetzten geweiteten Augen anstarrte. Deutlich war zu erkennen, dass sie darunter nackt war. Dann sah er das zerwühlte Bett und quasi zeitgleich konnte er Bewegung vor dem Fenster ausmachen, als Kuja mit einem Kopfsprung durch die Öffnung ins Freie hechtete. Burini registrierte aber, dass da ein Mann, ein nackter Mann, das Weite suchte.
Sein Kopf wirbelte herum und er starrte Marietta wutentbrannt und hasserfüllt an. Mit zwei schnellen Schritten war er bei ihr. "Hure!" zischte er und schon krachte der Rücken seiner rechten Hand hart in ihr Gesicht. Marietta schrie auf und sackte zurück aufs Bett.
Burini aber war zu diesem Zeitpunkt schon zum Fenster gerannt. Er spähte hinaus, riss seine Waffe von der Schulter, visierte an und schoss.
*
Kuja flog durch das Fenster ins Freie und hatte Glick, das sich dahinter durch den Regen aufgeweichter Boden befand. So gelang ihm eine halbwegs saubere Rolle. Auch verlor er dabei keines seiner Kleidungsstücke.
Während Tizian ihn ziemlich geschockt ansah, musste Giovanni sogar kichern.
Doch alle drei waren sich auch ohne Worte einig, dass es elementar wichtig war, so schnell, als möglich von hier zu verschwinden.
Also nahmen sie ihre Beine in die Hände und rannten, was das Zeug hielt.
Etwa zehn Meter hinter dem Haus gab es einen kleinen Schuppen, links daneben eine recht große, aber verkrüppelte Eiche. Darauf hielten die drei zu. Sie hatten sie gerade erreicht, als hinter ihnen ein hohles Geräusch erklang, dann eine Art Zischen. Einen Lidschlag später schlug ein kurzer, aber massiver Metallbolzen in den Stamm der Eiche.
Tizian erschrak und stieß einen kurzen Schrei aus. Es war klar, dass dieses Projektil nur von Burini abgegeben worden sein konnte. Der Blonde musste erkennen, dass es sich bei der Waffe, die dieser Hüne besaß, nicht um ein normales Gewehr, sondern um ein Bolzenschussgerät mit Trommelmagazin handelte, denn nur einen Augenblick später zischte ein zweites Projektil dicht an ihnen vorbei. Außerdem war zu hören, dass der Riese aus dem Fenster kletterte und hinter ihnen herrannte.
Kuja, Giovanni und Tizian hetzten weiter voran.
Hinter dem Schuppen gab es eine kleine Baumgruppe mit vielleicht zwanzig Kastanien. Dahinter konnten sie bereits den steilen Hügel erkennen, der aus dem Plateau hinaus auf den Berg führte.
Instinktiv hielten sie sich jedoch rechts, um an dem Schuppen vorbei auf der anderen Seite wieder zurück zum Wirtshaus zu gelangen. Doch sie mussten feststellen, dass der Hügel dort so dicht an den Schuppen heranreichte, dass sie nicht hindurchschlüpfen konnten.
Zurück konnten sie aber auch nicht, da sie bereits hörten, dass Burini schnell näherkam.
Also blieb ihnen nur die Flucht durch die Kastanienbäume den Hügel hinauf.
Obwohl der Anstieg alles andere als einfach zu nehmen war, trieb sie ihre Angst vor dem Riesen derart an, dass sie ihn in Rekordzeit hinter sich bringen konnten. Oben angelangt, lagen einige größere Felsbrocken vor ihnen. Hinter einem stoppten sie keuchend und japsend ab. Tizian und Giovanni blickten sich um, doch konnten sie Burini nirgendwo erkennen. Kuja machte sich schnell daran, sich anzuziehen, da er ja noch immer nackt war.
"Alter, der meint es wirklich ernst!" schnaufte Giovanni.
"Da hat er ja wohl auch jedes Recht zu, oder?" erwiderte Tizian und sah Kuja vorwurfsvoll an.
"Ehrlich Leute!" erklärte der Fürstensohn. "Das habe ich nicht gewusst. Weder, dass sie verheiratet ist, noch, dass sie ein Kind hat!"
"Sie hat ein Kind?" rief Tizian.
"Oh Mann!" Giovanni lachte heiser auf. "Da hast du ja ganz schönen Mist gebaut!"
Kuja nickte. "Gott sei Dank war ich noch nicht soweit!"
Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, bohrte sich ein weiterer Bolzen nur wenige Zentimeter neben ihm in den Felsen.
"Das sieht der Riese wohl aber ganz anders!" meinte Giovanni und trieb seine Freunde weiter.
*
Wie lange sie letztlich gelaufen waren, konnte keiner der drei mehr sagen. Sie hatten mehrmals die Richtung gewechselt und einige Entfernung hinter sich gebracht. Ihre Lungen brannten, kalter Schweiß lief ihnen die Stirn hinab, doch erst als es sehr schnell wieder sehr heftig zu regnen begann, stoppten sie ab.
"Da!" rief Tizian und deutete auf eine Höhle auf einer kleinen Anhöhe.
Sie rannten hinein. Die Höhle war nicht sonderlich groß, aber vollkommen ausreichend für drei Leute. Im hinteren Bereich war eine Art schmaler Stollen zu erkennen, doch keiner der drei hatte Lust, ihn weiter zu erkunden.
Ihre Lage war vorteilhaft. Da sich die Höhle auf einer Anhöhe befand, war jeder, der sich ihr näherte, frühzeitig zu erkennen.
"Wir bleiben hier!" erklärte Kuja dann auch und erntete sofort Zustimmung.
"Eine gute Idee!" stöhnte Tizian. "Sonst braucht es den Hünen nicht mehr, um mich umzubringen!" Er rang schwer nach Luft.
"Gut!" Giovanni nickte. Er hatte sich erstaunlich schnell wieder erholt. "Dann bleiben wir heute Nacht hier und gehen morgen zurück ins Dorf!"
"Bist du irre?" rief Tizian entsetzt. "Der ist bestimmt auch morgen noch stinksauer auf Kuja!"
"Er hat sein Gesicht nicht gesehen!" erklärte sein Freund jedoch. "Er kann das nicht mit Sicherheit sagen. Und Marietta wird wohl den Mund halten. Und wir...!" Er sah Kuja an. "...werden uns auf dem Rückweg eine nette Geschichte ausdenken, die klarstellt, dass Kuja überall, nur nicht...!" Er grinste mit verzogenen Mundwinkeln. "...in Marietta gewesen sein kann!"
"Na, danke auch!" erwiderte der Fürstensohn, musste aber einen Augenblick später selber grinsen.
"Ihr seid verrückt!" meinte Tizian und schüttelte den Kopf. "Deshalb liebe ich euch!" Er lächelte. "Aber jetzt könnte ich wirklich eine Mütze voll Schaf vertragen!"
Kuja stimmte ihm zu und Giovanni erklärte sich bereit, die erste Wache zu übernehmen. "Für alle Fälle!" meinte er.
Dem hatte keiner etwas zu entgegen und so suchten sich Kuja und Tizian einen halbwegs vernünftigen Schlafplatz.
Schnell wurde es sehr still in der Höhle und während sie dem monotonen Plätschern des Regens außerhalb lauschten, schliefen sie schnell ein.