Читать книгу Virus - Alfred Broi - Страница 12
VIII
ОглавлениеKuja erwachte und sein Kopf zuckte kurz in die Höhe.
Im ersten Moment dachte er, dass ihn ein Geräusch geweckt hätte. Sein Blick war daher finster. Während er lauschte, erhob er sich leise.
Er blickte zu Giovanni, doch musste er erkennen, dass sein Freund eingeschlafen war.
Kuja verzog die Mundwinkel und ging dann langsam zum Ausgang der Höhle.
Draußen regnete es noch immer in Strömen, doch konnte er den Bereich unterhalb der Anhöhe gut erkennen, weil ein Beinahe-Vollmond durch eine Wolkenlücke herabschien. Es war niemand zu sehen, alles war still.
Kuja beruhigte sich wieder.
Plötzlich verspürte er einen ziemlich unangenehmen Druck auf der Blase. Er hatte sich gerade umgewandt, als ein raues, tiefes Schnarchen von Giovanni zu hören war. Fast rechnete Kuja damit, dass sein Freund selbst davon erwachte. Aber er rekelte sich nur, brummelte etwas Unverständliches und schlief dann sofort weiter.
Dafür aber wusste Kuja, was ihn wohl geweckt hatte.
Na ja, jetzt, wo er schon einmal wach war, konnte er auch seine Blase entleeren. Danach, so beschloss er, würde er die Wache übernehmen. Schließlich hatte er sie alle in diese missliche Lage gebracht.
Kuja überlegte. Nach draußen zu gehen, war unsinnig, hier in der engen Höhle wollte er sich aber auch nicht erleichtern. Da fiel sein Blick auf den schmalen Stollen, der weiter ins Innere des Berges führte. Der Fürstensohn hatte für einen Augenblick Bedenken, doch dann ging er zielstrebig darauf zu und hinein.
Er musste seitwärtsgehen, aber schon nach etwa fünf Metern öffnete sich der enge Stollen wieder und mündete in eine weitere Kammer. Kuja machte zwei Schritte nach rechts, stellte sich vor den Felsen, öffnete seine Hose und entleerte seine Blase. Dabei blickte er sich um. Das Licht des Mondes war gerade noch stark genug, um die Dunkelheit weit genug zu durchdringen, dass Kuja die Ausmaße der Kammer und einige Umrisse erkennen konnte.
Dabei fiel ihm auf, dass der Raum sich nach hinten immer weiter öffnete, wobei eine Art geschwungene Rampe tiefer in den Berg hinab führte.
Kuja aber verspürte keine Lust, sie ohne eigene Lichtquelle weiter zu erkunden. Außerdem musste er zurück zu seinen Freunden und Wache halten, damit Burini sie am Ende nicht doch noch erwischte.
Dann war er fertig, schloss seine Hose wieder und wollte schon in den schmalen Stollen zurückkehren, als er plötzlich eine matt schimmernde Lichtspiegelung auf den Felsen erkennen konnte. Überrascht drehte er sich um. Und tatsächlich: Dort, wo die Rampe in die Tiefe führte, konnte er weit unten ein schwaches Leuchten ausmachen, das irgendwie zu pulsieren oder zu funkeln schien.
Was mag das sein? fragte Kuja sich.
Plötzlich war das Leuchten wieder verschwunden, doch nur, um wenige Augenblicke später erneut zu erscheinen.
Jetzt war seine Aufmerksamkeit erst recht geweckt.
Allen guten Vorsätzen zum Trotz machte er sich langsam und vorsichtig auf den Weg zur Rampe und folgte ihr in die Tiefe.
Nach einer sanften Rechtskurve, die ihn dabei tiefer in den Berg führte, kam ein kurzes, gerades Stück, dann folgte ein relativ scharfer Linksknick, bevor es deutlich steiler bergab ging.
Kuja schätzte, dass er mittlerweile etwa einhundert Meter zurückgelegt haben musste. Das matte Leuchten hatte ihn beständig begleitet, wenngleich es aber immer mal wieder für einige Augenblicke deutlich schwächer wurde. Ganz verschwinden tat es allerdings nie.
Was er getan hätte, wenn das doch der Fall gewesen wäre und er hier allein in der Finsternis gestanden hätte, wusste er nicht; er verdrängte diesen Gedanken auch schnell wieder.
Der Weg machte erneut eine sanfte Biegung nach links. Je tiefer Kuja jetzt kam, desto heller wurde es. Als er das Ende der abwärtsführenden Rampe erreicht hatte, schien es ihm, als würde die gesamte Kammer, die sich vor ihm auftat, pulsieren. Das Licht war fahl und es flackerte wie der Widerschein von Flammen über die Felswände.
Die Kammer, in der es jetzt stand, war vielleicht zwanzig Meter lang, fünf Meter breit, dafür aber sicherlich zehn Meter hoch.
Kuja sah nach links und konnte erkennen, dass die Felswand dort nicht bis zur Decke reichte, sondern etwa in der Mitte endete. Dahinter konnte er die Decke einer sich anschließenden Kammer erkennen. Dort pulsierte das Licht noch viel intensiver, denn ganz eindeutig war dort sein Ursprung. Einen Augenblick später erkannte Kuja am Ende der Höhle, in der es sich befand, eine steinerne Treppe, die in die andere Kammer hinaufführte.
Der Fürstensohn hielt sofort darauf zu, denn jetzt wollte er natürlich mehr denn je wissen, was es mit diesem pulsierenden Licht auf sich hatte.
Mit schnellen Schritten erklomm er die Treppenstufen. Kuja spürte, wie sich sein Puls erhöhte. Vielleicht ist es ja ein Schatz, dachte er bei sich und konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
Dann hatte er die oberste Stufe erreicht, sogleich ungehinderten Blick in die Kammer, die sich vor ihm auftat und war...enttäuscht.
Denn vor ihm lagen keine Reichtümer, sondern nur ein unterirdischer See.
Kuja atmete aus und man sah ihm die Enttäuschung an.
Der See war nicht sonderlich groß, aber das Wasser war absolut kristallklar, was er deshalb erkennen konnte, weil am Boden fluoreszierende Algen ein weiß-blaues Licht verströmten. Das Wasser lag allerdings nicht ruhig da, sondern hatte eine leichte Wellenbewegung an der Oberfläche, die wiederum dazu führte, dass das Licht auf den Felswänden flackerte und wie pulsierend wirkte.
Der Grund für die Wellenbewegung war, dass der See gerade mit Frischwasser gespeist wurde. Deutlich konnte Kuja ein leises Plätschern vernehmen und als er auf die gegenüberliegende Felswand blickte, sah er einen dunklen, feucht-schimmernden Streifen, der von der Decke in den See führte. Der heftige und andauernde Regen musste ins Erdreich gesickert sein und ein Teil davon floss nun, gefiltert durch mehrere Gesteinsschichten, auf diese Weise hier hinein.
Alles in allem ein schöner Anblick, doch leider nicht das, was Kuja erwartet hatte. Es wurde Zeit, zurück zu seinen Freunden zu gehen.
Doch genau in dem Moment, da er sich umdrehte, geschah etwas.
Kuja vermochte im ersten Augenblick gar nicht wirklich zu sagen, was es war, doch es reichte aus, dass er in seiner Bewegung verharrte und für einige Sekunden einfach nur vollkommen still dastand. Sein Kopf war wie leergefegt, er konnte keinen Gedanken fassen. Bis zu dem Moment, da er das Gefühl hatte, es würde ihn Jemand beobachten. Jemand, der sich hinter ihm befand!
Kuja wollte sich umdrehen. Mittlerweile konnte er diesen Befehl in seinem Hirn zwar wieder fassen, doch offensichtlich nicht an seinen Körper weitergeben. Er war nicht in der Lage, sich auch nur den kleinsten Millimeter zu bewegen. Dafür aber spürte er immer deutlicher eine Präsenz in seinem Rücken. Sie war jedoch nicht greifbar, aber eindeutig sehr machtvoll. In dem einen Moment glaubte er, eine Berührung in seinem Nacken zu spüren, im nächsten, dass sich ein Schatten hinter ihm erhob, wieder nur eine Sekunde später war es, als würde ein Wispern in seine Ohren dringen und dann, als würde ihn eine unbekannte Kraft förmlich durchdringen.
Kujas Pulsschlag erhöhte sich, er spürte, wie ihm Hitze ins Gesicht stieg. Und er wurde allmählich panisch, da er sich noch immer nicht umdrehen konnte, um zu sehen, was in seinem Rücken vor sich ging.
Im nächsten Moment glaubte er, wieder eine Berührung zu spüren, dieses Mal auf seiner Schulter, doch noch bevor seine Angst weiter zunehmen konnte, war sein Körper plötzlich wieder frei und er wirbelte auf dem Absatz herum. Dabei löste sich ein Schrei aus seiner Kehle, der sich dort gebildet hatte und den er nicht mehr zurückhalten konnte.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Kuja nach vorn, wappnete sich auf das, was er zu Gesicht bekommen würde und sah doch...nichts!
Es dauerte einige Augenblicke, bis Kuja diese Tatsache realisiert hatte und sich sein Körper und Geist wieder etwas beruhigten. Dann machte sich eine Mischung aus Unglaube und Verärgerung in ihm breit. Er hätte jetzt sagen können, dass er womöglich noch nicht vollkommen wach gewesen war oder dass der Alkohol ihm noch einen Streich gespielt hatte, doch er wusste, dass dies nicht stimmte. Das, was er gespürt und gefühlt hatte, war nur allzu real gewesen und ganz sicher keine Einbildung.
Und tatsächlich wurde sein Blick nur einen Sekundenbruchteil später von einem Funkeln angezogen. Es befand sich an der Stirnwand der Kammer, vielleicht fünf Meter über der Wasseroberfläche. Als Kuja genauer hinsah, konnte er eine Aushöhlung im Fels erkennen. Dort oben musste es eine weitere Kammer geben. Und das Funkeln, das er sah, war sehr klar und sehr hell und sehr strahlend. Wie bei einem Edelstein, schoss es ihm in den Kopf.
Bei einem weiteren Blick konnte Kuja Stufen unterhalb dieser neuen Kammer entdecken, fast so, wie Leitersprossen, die direkt in den Felsen gehauen waren. Sie führten hinunter bis zur Wasseroberfläche.
Kuja überlegte. Um dort hinzukommen, würde er schwimmen... Nein, stellte er fest. Er konnte auf der steinernen Uferböschung, auf der es sich gerade befand, bis zur Stirnwand gehen. Dort konnte er einen schmalen Sims erkennen, der direkt bis zu dieser Leiter reichte. Mit etwas Glück würde er trockenen Fußes dorthin gelangen.
Kuja beschloss, es zu versuchen.
Es dauerte weniger als zwei Minuten und er stand am unteren Ende der natürlichen Felsenleiter. Ohne zu zögern erklomm er sie. Dabei musste er durchaus vorsichtig sein, denn der Stein schien bearbeitet worden zu sein und war daher ziemlich rutschig. Dennoch gelangte er schnell und sicher nach oben.
Dort musste er erkennen, dass es sich bei der vermeintlichen Kammer lediglich um den Beginn eines weiteren Stollens handelte, der in einer Linkskehre recht steil weiter in den Berg hineinführte. Im ersten Moment war Kuja deswegen etwas genervt, da er aber hinter dem sichtbaren Ende noch immer das strahlende Funkeln erkennen konnte, beschloss er weiterzugehen.
Der Gang beschrieb einen Halbkreis und endete schließlich in einem kurzen, vielleicht zehn Meter langen, geraden Stück, das auf einen Durchgang zuhielt. Als Kuja ihn erreicht hatte, konnte er dahinter eine große, kuppelförmige Halle ausmachen. Der Fürstensohn war ziemlich sicher, dass er sich jetzt direkt unter dem See befand. Wände und Decke zeigten schroffen Fels mit scharfen Kanten und teilweise mächtigen Vorsprüngen. Der Boden war überraschenderweise mit einer, einige Zentimeter dicken, Sandschicht bedeckt. Außerdem lagen überall verstreut überwiegend kleinere und mannshohe, aber auch einige noch größere Felsbrocken herum. Während sich der Fels der Halle jedoch in dunkelgrau und schwarz präsentierte, zeigten die Felsbrocken am Boden blaue, rote und teilweise sogar hellgrüne Farben. Außerdem wiesen sie weitaus glattere Oberflächen auf.
Kujas Herz tat einen Satz. Mochten das Edelsteine sein? Von dieser Größe?
Im hinteren Bereich der Halle musste es eine starke Lichtquelle geben, die Kuja von seinem Standpunkt aus jedoch noch nicht sehen konnte. Während sich das Licht an den schroffen Kanten und Vorsprüngen der Wände und der Decke brach und mächtige, dunkle Schatten darauf warf, spiegelte es sich in den glatten Flächen der Felsbrocken am Boden und brachte sie auf fantastische Weise in allen nur erdenklichen Farben zum Funkeln.
Kuja war augenblicklich fasziniert und er spürte, wie sich sein Pulsschlag erhöhte. Das muss ich Giovanni und Tizian zeigen! dachte er, doch bewegte er sich nicht.
Plötzlich hörte er Geräusche. Erst schien es ein leises Rauschen oder auch Plätschern zu sein, dann aber war er sich immer sicherer, dass es ein Wispern war. Eine helle, aber sehr leise Stimme flüsterte etwas. Im ersten Moment meinte Kuja, dass es ein eher allgemeines Flüstern war, doch schon einen Augenblick später war sein ganzer Kopf davon erfüllt und hallte dort deutlich lauter nach. Kuja konnte nichts verstehen, war sich aber sicher, dass es Worte waren, die er hörte. Worte in einer Sprache, die ihm vollkommen unbekannt war. Und die jetzt immer eindringlicher wurden. Obwohl er sie nicht verstand, spürte er einen inneren Drang, als würde Jemand auf ihn einreden, etwas zu tun.
Doch es war kein negatives Gefühl, das ihn dabei befiel. Ganz im Gegenteil: Er spürte Freude, Erregung und Zuversicht in sich aufsteigen, eine wundervolle Wärme, die sich ausbreitete, ein strahlendes Licht, das ihn einhüllte.
Wie automatisch setzte er daher einen Fuß vor den anderen und drang in die Halle vor.
Die Tatsache, dass er seinem Körper nicht den Befehl dazu gegeben hatte, war für ihn in diesen Momenten nicht relevant, denn er empfand einfach nur ein großes Glücksgefühl.
Immer weiter schritt er voran, kam an kleinen und mannshohen Gesteinsbrocken vorbei, war immer und immer wieder fasziniert von ihrem magischen Funkeln und strahlenden Glitzern. Links neben ihm tauchte einer der großen Brocken auf und ein pulsierendes, tiefrotes Leuchten hüllte seinen Körper ein.
Kuja umrundete den Fels und blieb plötzlich wie angewurzelt stehen, denn vor sich konnte er sie endlich sehen: Die Quelle, die dieses immense Licht ausstrahlte.
Ein Spiegel! schoss es Kuja sofort in den Kopf. Ein riesiger Spiegel mit einem Durchmesser von bestimmt drei Metern!
Er atmete hörbar ein, seine Augen wurden groß und begannen zu leuchten, sein Mund öffnete sich und er stöhnte tief beeindruckt.
Vor ihm befand sich eine besondere Felsformation, die tatsächlich die Form eines aufrecht stehenden Rings bildete. Der Spiegel, wie Kuja ihn für sich benannte, war in Wahrheit jedoch eine glänzende, strahlende Fläche inmitten dieses Rings. Doch konnte man sich in ihr nicht spiegeln, sie wirkte eher wie dickflüssiges Silber, dessen Oberfläche innerhalb des Rings ständig in kleinen Wellen in alle Richtungen in Bewegung war.
Kuja war absolut fasziniert von diesem Gebilde, doch spürte er auch ein deutliches Maß an Unsicherheit in sich, denn er war fast sicher, dass dieser Spiegel nichts war, was Menschen zu schaffen je im Stande wären.
Aber ihm blieb keine Zeit mehr für Überlegungen, nicht einmal dafür, dass sich seine Unsicherheit in Angst und somit in Vorsicht hätte wandeln können.
Denn schon einen Lidschlag später ertönte ein dumpfer Knall, der sich in Kujas Körper selbst gebildet zu haben schien. Alles in ihm vibrierte und schoss dann blitzschnell aus ihm hinaus und auf den Lichtspiegel zu, wie die Druckwelle einer Explosion. Sein ganzer Körper erzitterte, sogar sein Haar wehte, wie in einem stürmischen Wind.
Als diese unsichtbare Druckwelle auf den Spiegel traf, drückte sie ihn wie mit einer Riesenfaust schlagartig ein. Ein Trichter von rund zwei Metern Tiefe bildete sich. Gleichzeitig wurde aus dem beständigen Wispern, das ihn hier umgab, ein erst leises, weit entferntes, dann rasend schnell lauter werdendes und näherkommendes Brüllen. Es war, als würde man ein Tier aufschrecken. Ein großes Tier...ein Monstrum.
Aus dem Jaulen wurde ein Brüllen, während sich der Trichter im Spiegel zurückbildete. Doch nur, um sich sofort danach in die andere Richtung, direkt auf Kuja zu, auszudehnen. Dabei änderte sich das Geräusch erneut und es wurde zu einem zornigen Fauchen.
Kuja jedoch bekam davon nichts mit. Sein ganzer Körper vibrierte noch immer, er hörte nur ein sanftes Rauschen und war ansonsten noch immer komplett fasziniert von dem, was er sah.
Der Trichter, der auf ihn zu schwebte, wandelte sich in einen Tentakel, der freibeweglich im Raum mal nach links oder rechts, mal nach unten oder oben schwebte und ihn dabei von allen Seiten zu betrachten schien, ohne ihm dabei jedoch näher zu kommen, als einen Meter. Aus dem Fauchen wurde dabei ein Knurren und Zischeln.
Kujas Augen verfolgten jede Bewegung dieses Tentakels mit noch immer wachsender Faszination, während auf seinen Lippen ein breites Grinsen zu sehen war.
Plötzlich spaltete sich der Tentakel auf, wurde dabei deutlich dünner. Eine Sekunde später spalteten sich die beiden neu entstandenen Tentakel erneut auf, einen Moment später noch einmal und dann noch einmal. Innerhalb eines Augenblicks waren aus dem einen Tentakel sechzehn sehr viel dünnere Tentakeln geworden. Sie breiteten sich aus, kamen deutlich näher, als es noch der eine Tentakel getan hatte, jedoch weiterhin, ohne Kuja zu berühren. Für wenige Sekunde schwebten sie um Kujas Körper, als würden sie ihn aus allen Winkeln betrachten
Dann bildeten sich an ihren Enden sehr spitze, krallenartige Fortsätze, die sich ihm immer weiter näherten und ihn am Ende dann auch berührten. Kuja spürte sie wie feine Nadelstiche auf seinem Körper.
Das Knurren und Zischen wandelte sich in eine Art Stöhnen und Hecheln und Geifern, das immer erregter wurde.
Plötzlich zogen sich die Tentakel blitzartig mit einem heiseren Fauchen komplett in den Spiegel zurück, als hätten sie sich an einer heißen Herdplatte verbrannt. Doch nur, damit einen Augenblick später wieder ein einzelner dicker Tentakel daraus hervor- und in einem hohen Bogen auf Kuja zuschießen konnte.
Der Fürstensohn hob seinen Kopf an und wie eine Wasserfontäne traf die silbrige, zähflüssige Masse Kujas Gesicht, ohne es jedoch zu berühren. Nur wenige Zentimeter von ihm entfernt prallte es wie an einer unsichtbaren Wand ab und zeichnete dabei seine Konturen nach.
Mit einem Mal erschien am Ende der Wasserfontäne ein schemenhaftes Gesicht. Zwei schwarze, runde Flecken bildeten die Augen, ein unförmiger schwarzer Strich die Nase, ein ovaler, schwarzer Fleck den Mund. Und dieser Mund wurde beständig immer größer, während sich die Wasserfontäne immer weiter Kujas Gesicht näherte, und wandelte sich zu einem furchterregenden Maul. Als es größer war, als Kujas Kopf, stülpte es sich über ihn, wurde noch breiter, sank tiefer herab, über Kujas Schultern, immer tiefer, bis es schließlich den Boden der Halle erreichte und den kompletten Körper des Fürstensohns in sich aufgenommen hatte.
Plötzlich erklang ein tiefes, bösartiges, mächtiges, aber auch zutiefst zufriedenes Brüllen, dann schloss sich das Maul und riss Kujas Körper ruckartig in den Spiegel.
Sämtliche Geräusche erstarben augenblicklich. Die Oberfläche des Lichtspiegels wogte noch einige Male hin und her, dann lag sie wieder ruhig da, während sich kleine Wellen über die zähflüssige Masse hinwegbewegten.