Читать книгу Virus - Alfred Broi - Страница 18
XIV
ОглавлениеDie Feier war in vollem Gange.
Der Marktplatz von Alimante war prall gefüllt mit Menschen und ein einziges, funkelndes Lichtermeer.
Überall wurde gelacht, getanzt und gesungen. Es gab reichlich zu essen und zu trinken für jedermann. An diesem Tag der Freude gab es kein Arm und kein Reich, alle waren gleichgestellt und gleichsam vereint in Glück und Glückseligkeit.
Die Stimmung war ausgelassen und doch ausgesprochen friedlich.
Für alle Fälle aber waren die Palast- und Stadtwachen präsent, um im Zweifelsfall schnell eingreifen zu können.
Kuja saß an der Stirnseite der größten Tafel, Mariella neben ihm. Er hatte sehr gut gegessen und fühlte sich rundum satt, glücklich und zufrieden. Natürlich wollte jeder mit ihm anstoßen. Sein Vater hatte ihm daher schon im Vorfeld einen Rat gegeben. Daraufhin hatte Kuja seinen persönlichen Diener angewiesen, ihm an diesem Abend stets nur einen deutlich verdünnten Rotwein nachzuschenken, der dafür sorgen sollte, dass er allen Trinksprüchen gerecht werden konnte, dabei aber nüchtern genug blieb, um noch aktiv teilhaben zu können.
Zwischenzeitlich tanzte er immer mal wieder mit Mariella. Und wenn er sie in seinen Armen hielt, er sie in ihrem atemberaubend verführerischen Kleid sah und sich ihre Körper berührten, spürte Kuja eine deutliche Erregung in seinen Lenden und er dankte seinem Vater gleich nochmals für seinen Rat, würde er doch auch zur Folge haben, dass er mit Mariella nach dem Ende der Feierlichkeiten noch Sex haben konnte.
Kuja wollte ihm zuprosten, doch war sein Platz leer. Wahrscheinlich hatte er sich unter die Menge gemischt und nahm Glückwünsche für seine erfolgreiche Amtszeit als Fürst dieses Landes entgegen. Kuja gönnte ihm das von ganzem Herzen, denn sein Vater hatte seine Sache absolut brillant gemacht und seinem Sohn ein funktionierendes und finanziell, wirtschaftlich und gesellschaftlich gesundes Land übergeben. Kuja freute sich darauf, ihm zu zeigen, dass er ein würdiger Nachfolger war.
Im nächsten Moment verspürte Kuja einen deutlichen Druck auf seiner Blase. Da die Aufmerksamkeit fast aller gerade auf einem Trupp Artisten lag, der in der Mitte des Marktplatzes atemberaubende Kunststücke vollführte, nutzte er die Gunst des Augenblicks und stahl sich davon.
Kurze Zeit später hatte er die Toilettenräume im Fürstenpalast - Kuja wollte ein bisschen Ruhe von dem Trubel auf dem Marktplatz haben - erreicht und ging sogleich seiner Notdurft nach.
Als er damit fertig war, fühlte er sich erleichtert und fit genug, um sich wieder zurück in das Getümmel der Feier zu stürzen.
Nur noch eben schnell die Hände waschen, dachte er. Doch genau in dem Moment, da er das kalte Wasser auf seinen Händen spürte, konnte er dort auch wieder diese widerlichen, wurmähnlichen, sich schlängelnden Ausbuchtungen unter seiner Haut entdecken.
Dieses Mal war er so geschockt, dass er einmal laut aufstöhnte. Sein gesamter Körper verkrampfte sich, er stand stocksteif da und starrte mit großen Augen auf seine Hände. Kuja spürte, wie eine ekelhafte Hitzewelle durch seinen Körper rollte. Doch er spürte auch noch etwas Anderes. In seinem Gesicht!
Instinktiv riss er den Kopf in die Höhe und betrachtete sich in dem großen Spiegel über dem Waschbecken. Oh Gott, tatsächlich! Da waren ebenfalls diese furchtbaren Würmer. Auf seiner Stirn, auf den Wangen, am Kinn. Mindestens sieben Stück konnte er zählen. Geschockt schrie er auf und taumelte entsetzt zurück, achtete nicht, wohin er ging, stolperte und schlug hinterrücks auf den kalten, harten Boden, wo er nochmals aufschreien musste, dieses Mal jedoch aus echtem körperlichem Schmerz. Hektisch rappelte er sich sofort wieder auf, stürzte zurück zum Spiegel, doch als er jetzt hineinsah, konnte er keine Würmer mehr erblicken. Er stöhnte nochmals auf, betrachtete sein Gesicht ausgiebig, dann seine Hände, zog auch die Ärmel in die Höhe, um die Unterarme zu kontrollieren, schließlich sein Hemd, um Brust und Bauch zu betrachten. Doch er konnte nichts erkennen.
Eine Mischung aus Erleichterung und Angst machte sich in ihm breit. Er ließ kaltes Wasser laufen und wusch sich damit sein Gesicht mehrfach.
Die Tatsache, dass er jetzt keine Würmer mehr sehen konnte, durfte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie dennoch da waren. Ja, das war keine Einbildung. Diese furchtbaren Kreaturen waren wirklich da, unter seiner Haut, in seinem Körper. Er konnte und durfte sie nicht verleugnen, mehr noch aber musste er einen Weg finden, sie wieder loszuwerden. Doch dazu bedurfte es erst einmal des Wissens, was zum Teufel sie überhaupt waren! Also musste er einen Arzt aufsuchen. Einen verschwiegenen Arzt!
Kuja würde sich darum kümmern, sobald es ihm möglich war. Das nahm er sich fest vor.
Nachdem er sich wieder etwas beruhigt hatte, verließ er die Toilettenräume und machte sich auf den Weg zurück zum Marktplatz. Dabei kam er an ein paar Zimmern vorbei. Aus einem davon hörte er Stimmen. Instinktiv verlangsamte er seinen Schritt. Zunächst konnte er kein Wort verstehen, war sich aber sogleich sicher, dass er zumindest eine der beiden Stimmen kannte. Also verharrte er an der Eingangstür und spähte vorsichtig in den Raum.
Es befanden sich zwei Personen darin, zwei Männer, und einen davon erkannte Kuja sofort, denn es war sein Vater. Den anderen, er war groß, muskulös, hatte ein gepflegtes Aussehen und trug ein feines, schwarzes Lederwams, hatte er noch nie zuvor gesehen.
"…bist du sicher?" hörte Kuja seinen Vater fragen. Dabei blickte er den anderen mit ernster, forschender Miene an.
Sein Gegenüber nickte. "Ja, bin ich! Ich habe mit vielen Leuten gesprochen. Unter anderem mit Linguri, dem Wirt der Schänke und mit Avato, den Kuja als Führer vorgesehen hatte!"
Kuja erschrak. Linguri? Avato? Oh, er kannte diese Namen und vor seinem inneren Auge sah er die beiden Männer und auch Fetzen der Geschehnisse in dem Wirtshaus. Doch warum um alles in der Welt kamen die Namen dieser beiden Männer ausgerechnet hier und jetzt zur Sprache?
"Beide haben mir bestätigt, was Ihr bereits vermutet hattet!" fuhr der Fremde fort. "Kuja und Marietta verschwanden etwa zur selben Zeit! Doch noch viel wichtiger: Tizian und Giovanni verließen das Wirtshaus erst deutlich später!"
Marco nickte stumm und mit finsterer Miene. Kuja konnte sehen, wie seine Kiefer aufeinander mahlten und glaubte fast das Knirschen seiner Zähne zu hören. Das erschreckte ihn und gleichzeitig spürte er, wie heiße Angst in ihm aufkam. Sein Vater hatte offensichtlich Jemanden in das Bergdorf gesandt, der dort Fragen gestellt hatte. Zu dem Abend im Wirtshaus, über den Ablauf der Ereignisse. Aber, warum? Kuja wusste es fast im selben Moment: Sein Vater misstraute ihm!
"Noch etwas?" fragte Marco mit harter Stimme.
Wieder nickte der Fremde. "Ich habe auch mit Torrini gesprochen. Er war dabei, als man Kuja und die anderen am Morgen in der Höhle gefunden hatte. Er hat mir den Ablauf der Ereignisse erzählt! Die Entscheidung eures Sohnes war rechtlich vollkommen korrekt, aber…!" Der Mann stoppte und wartete, bis Marco ihn ansah. "…unglaublich gnadenlos!" Während er die Worte sprach, verzogen sich seine Mundwinkel zu einer verächtlichen Miene.
Marco sah den Fremdem stumm an. "Und Burini?"
"Ja, ich habe auch mit ihm geredet! Aber es war sehr schwierig. Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll? Als er über diesen Vorfall gesprochen hat, war es so, als würde er einen sachlichen Bericht abgeben. Total unpersönlich. Ganz so, als würde ihn dies alles nichts angehen oder berühren! Vollkommen emotionslos!" Er schüttelte den Kopf. "Allerdings waren seine Ausführungen in Bezug auf das, was er in seinem Haus vorgefunden hat, als er nach der Jagd zurückkam, sehr eindeutig!" Er sah Marco an. "Nicht Giovanni war bei Marietta, sondern…euer Sohn!"
Das Gesicht von Kujas Vater wurde fast noch finsterer, als es ohnehin schon war. Gedankenversunken starrte er auf einen imaginären Punkt an der gegenüberliegenden Wand. Dann atmete er einmal tief durch und nickte schließlich. "Danke!" sagte er zu dem Fremden. "Deine Ausführungen waren sehr hilfreich! Der vereinbarte Lohn ist wie immer an entsprechender Stelle hinterlegt!"
Der Fremde verbeugte sich. "Sehr freundlich von euch, mein Herr! Ich bin wie immer stets zu Diensten. Wenn ihr mich braucht, wisst ihr, wo ihr mich findet!"
Marco nickte nochmals. "Danke! Und kein Wort über diese Sache, verstanden?"
Der Fremde sah ihn mit ernster Miene an. "Welche Sache, Herr?" Er lächelte dünn. "Seid unbesorgt. Eine Hand wäscht die andere!" Er räusperte sich. "Wenn ihr mich jetzt entschuldigen wollt. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir!"
"Natürlich!" erwiderte Marco.
Im nächsten Moment wandte sich der Fremde mit einer letzten Verbeugung um und verließ das Zimmer durch eine Balkontür, wo er über eine Treppe hinunter auf den Markplatz gelangte.
Kuja sah dem Fremden noch hinterher, dann drehte er sich zurück, drückte seinen Körper an die Wand hinter ihm und war für einen Augenblick wie erstarrt. Gleichsam war sein Kopf wie leergefegt, während er mit weit geöffneten Augen ins Leere starrte.
Schnell aber begann er zu begreifen, was er dort eben gehört hatte. Sein Vater, offensichtlich misstrauisch gegenüber dem, was Kuja ihm erzählt hatte, hatte einen Vertrauten in das Bergdorf geschickt, um weitere Informationen einzuholen. Doch noch während Kuja sich brennend fragte, wo er seinem Vater bei seiner eigenen Erzählung auch nur einen Ansatz von Misstrauen geliefert hatte, wurde er sich eiskalt bewusst, dass der Fremde seine Lüge hatte auffliegen lassen.
Sein Vater wusste jetzt, dass nicht Giovanni, sondern er, Kuja, mit Marietta im Bett gelegen hatte.
Was aber hieß das jetzt bzw. was änderte diese Tatsache am Status Quo?
Kuja kannte die Antwort nur einen Lidschlag später: Alles!
Kuja war mit Marietta fremdgegangen, obwohl er Mariella heiraten wollte. Dabei waren sie von Burini erwischt worden. Am Ende waren Tizian und Giovanni tot und als der Verdacht auf Marietta fiel, hatte Kuja die Gunst der Stunde ausgenutzt und sie hinrichten lassen, um sicher sein zu können, dass die Schwere seines Fehltritts nie publik wurde.
So jedenfalls würde Kuja die Sache sehen, wenn sein Vater an seiner Stelle gewesen wäre.
Das war nicht nur Verrat an seiner Ehefrau, sondern auch Amtsmissbrauch, um Marietta zum Schweigen zu bringen. Beides schwerwiegende Verbrechen. Das eine moralisch, das andere rechtlich. Und das bei ihm als amtierenden Fürsten! Damit besaß sein Vater ein enormes Druckmittel gegen ihn, das ihn manipulierbar machte und Kuja sogar seine Krone kosten konnte.
Und nicht nur das: Mit dem jetzigen Wissen würde sein Vater keine Ruhe geben. Und wer wusste schon, was Marco sich in seiner Fantasie vorzustellen vermochte? Er könnte Burini der Morde verdächtigen oder gar ein Komplott zwischen Burini und Kuja vermuten!
Alles Dinge, die Kuja nicht gebrauchen konnte und die am Ende sogar dazu führen konnten, dass sein eigener Vater ihm auf die Schliche kam und erkannte, dass Kuja die Morde in Wahrheit begangen hatte!
Oh Gott! Oh großer Gott! Nein, das durfte niemals geschehen!
Er musste überlegen, was er dagegen unternehmen, vor allem aber, wie er dagegen vorgehen konnte.
*
Kuja drückte sich von der Wand ab. Er brauchte jetzt frische Luft und musste dringend auf andere Gedanken kommen.
In dem Moment aber, da er an der Tür vorbeihuschen wollte, trat Marco aus dem Raum.
Sein Vater blieb wie angewurzelt stehen und starrte seinen Sohn mit großen Augen an. "Kuja!" stieß er hervor. "Was…? Wie...?" Er war sichtlich geschockt und sofort deutlich nervös. "Was machst du denn hier?"
Kuja, der im allerersten Moment ebenfalls geschockt war, dass sein Vater aus dem Raum trat, fing sich überraschend schnell. Für einen Augenblick spürte er ein leichtes Druckgefühl unter der Haut seiner Unterarme, doch das verging sofort wieder. Stattdessen erkannte er mehr als deutlich, dass es seinem Vater nicht nur extrem unangenehm war, hier und jetzt auf Kuja zu treffen, sondern er sich auch ertappt fühlte. "Ich war pissen!" erklärte Kuja und fixierte Marcos Blick.
"Ach…!" erwiderte sein Vater, wobei er sichtlich nervös wirkte. "…so!" Marco lächelte, doch wirkte es eher dämlich. "Dann bist du hier nur vorbeigekommen!?"
Kuja spürte die Nervosität seines Vaters und musste tatsächlich lächeln, während er ein neuerliches Druckgefühl unter der Haut im unteren Halsbereich wahrnahm. "Nein…!" erklärte er ruhig und mit klarer Stimme. "…bin ich nicht!"
Jetzt wurde Marco erst recht nervös. "Soll das heißen?" Er musste einmal schlucken. "Wie lange bist du dann schon hier?"
Kuja verspürte deutlich aufkommende Verärgerung. Über seinen Vater, seine Zweifel an Kujas Worten, das Treffen mit dem Fremden und seinen Auftrag an ihn. "Lange genug!" Seine Stimme klang eisig. Gleichzeitig spürte er das Druckgefühl jetzt direkt in seinem Gesicht. Im nächsten Moment trat er einen Schritt vor, direkt auf seinen Vater zu.
Marco erschrak und wich zurück. Daraufhin machte Kuja noch drei weitere Schritte, wobei sein Vater jedes Mal zurückwich. Mittlerweile standen sie wieder mitten im Raum.
"Dann hast du…!" begann Marco. Seine Stimme klang zittrig. Doch plötzlich brach er ab und starrte seinen Sohn beinahe schon entsetzt an. "Oh Gott, Kuja! Was ist mit dir los? Was hast du da in deinem Gesicht?"
Kuja wusste bereits, was sein Vater meinte, noch bevor er seine rechte Hand hob und über die wurmähnlichen, sich unter seiner Haut schlängelnden Ausbuchtungen hinwegstrich. Als er es fühlen konnte, grinste er mit funkelnden Augen. "Das ist nichts!"
"Aber…?" Marco war fassungslos. "Um Himmels Willen, Kuja. Du musst sofort zu einem Arzt!"
Doch sein Sohn schüttelte den Kopf, während er spürte, wie sich mittlerweile überall auf seinem Körper etwas unter seiner Haut bewegte. "Warum hast du das getan, Vater?" fragte er stattdessen.
"Was getan?"
"Du hast meine Worte angezweifelt!"
"Ich…!" Plötzlich wurde Marco deutlich ruhiger. Mit einem tiefen Atemzug straffte er seinen Körper. Als er wieder ausatmete war die alte Sicherheit des ehemaligen Fürsten beinahe zurückgekehrt. "Du hast mich angelogen!"
Kuja sah ihn verächtlich an, dann wog er den Kopf hin und her. "Eine kleine Notlüge! Mehr nicht!"
Doch Marco schüttelte den Kopf. "Wenn es nur darum ging, zu vertuschen, dass du mit Marietta im Bett gewesen bist, hättest du dir das sparen können!" erklärte sein Vater. "Du weißt doch auch von meinen Fehltritten! Dein Geheimnis wäre bei mir sicher aufgehoben gewesen!" Er wartete bis Kuja ihn ansah, wobei er wieder geschockt war über die sich unter seiner Gesichtshaut schlängelnden Würmer, die jetzt immer zahlreicher und immer deutlicher zu sehen waren und sich immer aktiver bewegten. "Und weil ich wusste, dass du das weißt, habe ich mich gefragt, warum du mich dennoch angelogen hast?"
"Und?" Kuja sah ihn mit finsterer Miene an. "Wie lautete deine Antwort?"
"Dass du etwas vor mir verbirgst!" erwiderte Marco sofort. "Was ist es, Kuja? Was ist dort oben auf dem Berg wirklich geschehen? In der Höhle? Was ist dort passiert? Mit dir? Hast du am Ende deine Freunde gar getötet?" Sein Gesicht verzog sich zu einer gequälten, ja fast verzweifelten Grimasse. "Oh Kuja, sieh dich doch an! Dein Gesicht, diese…Dinger unter deiner Haut. Du brauchst Hilfe. Du bist krank!"
Kuja sah seinen Vater direkt an und aus seinem Blick trat immer mehr Hass zu Tage. "Ja, ich bin krank!" zischte er. "Und ja, ich brauche Hilfe!" Er verzog die Mundwinkel zu einem verächtlichen Lächeln. "Aber für dich…!" Plötzlich machte er einen Schritt nach vorn, riss seine Arme in die Höhe, donnerte seine flachen Hände auf Marcos Brustkorb und versetzte ihm einen derben Stoß, dass er mit einem Aufschrei zurücktaumelte. Bevor er noch etwas dagegen tun konnte, fiel er rücklings auf eine große Couch in der Mitte des Raumes. Kuja stürzte hinter ihm her und war sofort wieder bei ihm. Während er seinem Vater das rechte Knie in den Magen schlug, riss er eines der Kissen an sich. "…kommt leider jede Hilfe zu spät!" Und mit diesen Worten drückte er Marco das Kissen blitzschnell auf sein Gesicht. Sein Vater schrie auf, versuchte zunächst, es mit beiden Händen zur Seite zu drücken. Als ihm das nicht gelang, schlug er mit den Fäusten nach Kuja. Doch der drückte mit seiner ganzen Kraft und mit seinem gesamten Gewicht auf ihn. Dabei stöhnte er schwer, doch wich er keinen Millimeter ab. Kujas Gesicht wurde puterrot und Dutzende von Würmern schlängelten sich wild und ekstatisch unter seiner Haut, auch an seinen Armen und auf seiner Brust, während seine Augen wild und wirr auf das Kissen hinabstarrten. Es war ein absolut gespenstischer Anblick.
Marcos Gegenwehr war hartnäckig, doch bekam er Kuja weder zu fassen, noch gelang es ihm, sich des Kissens, und sei es auch nur einer winzigen Kleinigkeit, zu entledigen. Als seine Lungen nach Luft schrien, sie aber keine bekamen, ließ seine Kraft allmählich nach und sein Körper begann stattdessen krampfhaft zu zucken.
Auch Kuja spürte, wie seine Kraft nachließ. Er stöhnte lauter und wilder.
Dann bäumte sich Marcos Körper noch einmal auf, bevor er endgültig erschlaffte.
Kuja registrierte das erst mit der Verzögerung einiger Sekunden. Dann zuckte sein Oberkörper in die Höhe und er ließ das Kissen los, das danach einfach zu Boden fiel. Zeitgleich verschwanden alle Würmer unter seiner Haut. Als Kuja in das in einem letzten stummen Schrei entstellte Gesicht seines Vaters blickte, der ihn aus weit aufgerissenen Augen anstarrte, durchzuckte ihn ein brutaler Schock. Er stöhnte entsetzt auf und sprang förmlich zwei Schritte nach hinten. "Oh Gott!" stieß er hervor, während sich Tränen in seinen Augen bildeten. "Vater! Warum…? Warum hast du das getan?" Plötzlich erstarrte er und sein Kopf fuhr herum in Richtung Balkontür. Hatte er da eben ein Geräusch gehört? Er konnte jedoch nichts erkennen. Doch ihm war klar, dass er hier wegmusste. Er durfte hier nicht sein. Niemand wusste, dass er hier war. Niemand hatte ihn gesehen oder das, was geschehen war. Mit einer ruckartigen Bewegung riss er sich aus seiner Starre. Er hob das Kissen auf, drehte es herum, damit man die Speichelflecke nicht sah und setzte es fein säuberlich zurück an seinen Platz. Schließlich blickte er nochmals voller Schmerz und Mitleid zu seinem toten Vater. "Warum nur hast du das getan?" flüsterte er, dann drehte er sich um und verließ schnell das Zimmer. Er ging zurück zu den Toilettenräumen, wusch sich dort nochmals das Gesicht, verließ sie wieder, bog dann links ab, machte quasi einen weiten Bogen durch den Palast und erschien nur wenige Minuten später ausgeruht, entspannt und mit einem Lächeln auf dem Marktplatz, wo die Artisten gerade ihre letzte Nummer zum Besten gaben. Als das Publikum hiernach ausgelassen jubelte und applaudierte, setzte sich Kuja zurück auf seinen Platz und musste erkennen, dass seine Abwesenheit offensichtlich überhaupt nicht bemerkt worden war.
Fast eine halbe Stunde später erst hallte der gellende Schrei seiner Mutter durch den Palast, als sie ihren Mann fand.
Der eiligst herbeigerufene Arzt konnte jedoch nur noch seinen Tod feststellen. In Ermangelung irgendwelcher anderen Anzeichen ging man fälschlicherweise davon aus, dass der ehemalige Fürst Marco einen Herzinfarkt erlitten hatte, der ihm das Leben kostete.
Sein Mörder saß zu diesem Zeitpunkt nur wenige Meter entfernt neben seiner Mutter Elena und tröstete sie, zusammen mit Mariella, aufopferungsvoll.