Читать книгу Marshals und Coltkiller: Wichita Western Sammelband 9 Romane - Pete Hackett - Страница 64
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ОглавлениеAm darauffolgenden Tag ritt Cooper wieder nach Süden. Carrie stand vor der Tür des Hotels und schaute ihm hinterher, bis sie ihn nicht mehr sehen konnte, weil er über den Kamm einer Bodenwelle verschwand.
Der Blick des Mädchens schien sich nach innen verkehrt zu haben. Versonnen machte es kehrt und ging ins Hotel. Jerry, der auf dem Vorbau lag, folgte ihr umgehend.
Sein Reservepferd hatte Cooper in Bisbee zurückgelassen. Er musste sich nicht beeilen, denn dieses Mal musste er seinem Opfer nicht folgen; er wusste es auf der Hazienda südlich von Martinez. Und es war absolut ahnungslos.
Er überschritt die Grenze. Am Nachmittag erreichte er Martinez, ritt aber an der Ortschaft vorbei. Eine Stunde später lag die Hazienda vor seinem Blick. Ein Reiter kam ihm entgegen. Da Cooper zwischen einigen Felsen angehalten hatte, schien ihn der Reiter noch nicht gesehen zu haben. Er saß nach vorne gekrümmt im Sattel, und er trug einen schwarzen Stetson. Es musste sich um einen Amerikaner handeln.
Cooper saß ab, führte sein Pferd weiter zwischen die Felsen, nahm sein Gewehr und kehrte zu der Stelle zurück, von der aus er den Reiter wahrgenommen hatte. Er kam direkt auf ihn zu. Schon wehte das Pochen der Hufe heran, es wurde deutlicher, und dann befand sich der Reiter auf einer Höhe mit Cooper.
Es war ein Amerikaner. An seiner rechten Hüfte hing ein Holster, aus dem der Griff eines schweren Coltrevolvers schaute, aus seinem Scabbard ragte der polierte Kolben einer Winchester. Unter dem Hut des Mannes lugten graumelierte Haare hervor.
„He!“, so rief Cooper den Mann an.
Er zügelte sein Pferd, sein Kopf zuckte herum, geradezu automatisch fuhr seine Rechte zum Revolver und umklammerte den Knauf. Da aber Cooper das Gewehr so hielt, dass die Mündung schräg auf den Boden deutete, ließ er den Sechsschüsser stecken.
„Ich hab Sie schon irgendwo mal gesehen!“, rief Cooper und kam langsam, fast bedächtig, mit kurzen, abgezirkelten Schritten näher. „Leider komme ich nicht drauf. Ich heiße Jack Cooper und komme aus Tucson. Hab ein paar Banditen hier in Mexiko verfolgt.“
„Mein Name ist Miller – Ace Miller. Ich trage in Tombstone den Sheriffstern. Waren Sie schon mal in Tombstone, Mister? Wenn ja, dann haben Sie mich wahrscheinlich dort gesehen.“
Cooper war ein wenig irritiert. „Was hat ein amerikanischer Sheriff hier – mitten in der Sierra Madre – zu suchen?“, fragte er.
„Ich suche eine junge Frau; Carrie Hayes ist ihr Name und sie ist achtzehn Jahre alt. Sie ritt nach Tucson, um die Mörder ihrer Familie zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist mir nicht gelungen, sie von diesem wahnwitzigen Plan abzuhalten. Darum telegraphierte ich dem Town Marshal von Tucson, machte ihn auf Carrie aufmerksam und bat ihn, sie in die nächste Stagecoach zu setzen und nach Tombstone zurückzuschicken. Doch Carrie setzte ihren Kopf durch. Nachdem mir der Town Marshal von Tucson ein entsprechendes Telegramm schickte, bin ich aufgebrochen, um Carrie persönlich zurückzuholen.“
„Sie sind auf dem richtigen Weg, Sheriff“, knurrte Cooper. „Carrie war hier …“
„Sie kennen Carrie?“, entfuhr es Miller erstaunt und er unterbrach damit Cooper.
„Sicher. Sie meinen, Sheriff, Carrie setzte ihren Kopf durch. Ich sage Ihnen, sie ist stur und störrisch wie ein Maultier. Die Banditen, die ich jagte, sind die Mörder ihrer Familie. Drei von ihnen sind tot, der Oberschurke, dieser Terrence Shaw, sitzt in Bisbee im Jail und wartet auf seine Verurteilung. In Bisbee habe ich auch Carrie zurückgelassen. Sie hat mir ein Versprechen gegeben, das Versprechen, mir nicht noch einmal nach Mexiko zu folgen. Ich hoffe, sie steht dazu.“
Jetzt war die Reihe an Ace Miller, überrascht zu sein. Er verspürte aber auch eine immense Erleichterung, wusste er jetzt doch, dass Carrie unversehrt war. Es dauerte eine ganze Weile, bis er alles verarbeitet hatte.
Cooper ergriff noch einmal das Wort, indem er sagte: „Jackson saß in Tucson im Gefängnis. Aber seine Kumpane heckten einen Plan aus, der an Teufelei kaum zu überbieten ist, um ihn zu befreien …“ Er berichtete von der Befreiung des Banditen durch den Farmer und dessen Sohn und von der Verfolgung durch das Aufgebot. „Wir ritten in einen Hinterhalt der Bande und es gab Tote und Verwundete. Das Distriktgericht erhöhte die Kopfprämie für den gesamten höllischen Verein auf zweitausend Dollar. Für mich Grund genug, nach Mexiko zu reiten.“
„Und Carrie folgte Ihnen.“
„Ja. Hier, auf Mitchells Hazienda habe ich die Bande eingeholt. Ich nahm bei Mitchell einen Job an …“
Und jetzt erzählte Cooper von der Rolle Mitchells in dieser höllischen Inszenierung. Er berichtete von seinem Kampf mit den Banditen jenseits der Grenze und verriet dem Sheriff zuletzt auch den Grund, der ihn nach Mexiko zurückgetrieben hatte.
„Ich war auf der Hazienda“, knurrte Ace Miller. „Mir erzählte Mitchell, dass er keine Ahnung bezüglich des Mädchens habe. Ich war mir sicher, die Spur verloren zu haben. – Ihnen ist doch sicherlich klar, Cooper, dass das, was Sie vorhaben, ein Vabanquespiel ist. Sie können dabei ganz schön Federn lassen.“
„Man muss diesem Halunken das Handwerk legen“, knurrte Cooper, und er sprach es in einer Art, die Ace Miller erkennen ließ, dass er es nicht mit dümmlicher Arroganz, sondern mit der Entschlossenheit eines Mannes zu tun hatte, der einen erstaunlichen Mut aufbrachte. „Die Apachen und die Armee schlachten sich gegenseitig ab, Unschuldige sterben tagtäglich, Arizona ertrinkt regelrecht im Blut seiner Menschen. Und Schufte wie dieser Mitchell machen ein Geschäft aus dem gegenseitigen Hass.“
„Ich bin völlig Ihrer Meinung, Cooper“, stieß Miller hervor. „Und ich kann mir denken, dass Sie nicht nein sagen, wenn ich Ihnen meine Hilfe anbiete. Vier Augen sehen mehr als zwei, zwei Gewehre erreichen mehr als eines.“
„In Ordnung, Sheriff. Ich möchte Mitchell in die Staaten schaffen, damit man ihm dort den Prozess macht. Man muss an ihm ein Exempel statuieren. Ja, ich nehme Ihr Angebot an. Es kommt mir sogar sehr gelegen. Doch wir müssen höllisch auf der Hut sein. Mitchell steckt mit einem Capitán der Polizeireitertruppe unter einer Decke. Der Name des Capitáns ist Ernesto Cordoba. Er war es, der Carrie aufgegabelt hat und Mitchell übergab, der sie eiskalt den Banditen überließ, die sie irgendwo in der Wildnis zurücklassen wollten – allerdings tot, brutal vergewaltigt und ermordet.“
„Wie wollen Sie vorgehen, Cooper?“
„Steigen Sie ab, Sheriff. Jetzt, da ich Unterstützung habe, wird sich die Sache um einiges einfacher gestalten. Doch wir müssen uns absprechen. Also legen wir uns einen Schlachtplan zurecht.“
Den Ausdruck grimmiger Entschlossenheit in den Zügen schwang sich Sheriff Ace Miller von seinem Pferd …